Retail City: Wie sich Städte nach der Kaufhauskrise für die Zukunft rüsten können

Eike Wenzel 15. Februar 2010

Trotz der Warenhauskrise wird sich der nächste Shopping-Hype in den Städten abspielen. Das bestätigte auch kürzlich die Untersuchung von Kemper’s Jones Lang LaSalle: Der Vermietungsmarkt für Shops in 1a-Lagen blieb im Jahr 2009 stabil. Und auch Shopping-Center erleben gerade in den Metropolen einen Boom: Von derzeit insgesamt 325 deutschen Shopping-Centern mit mehr als 100.000 m2 Verkaufsfläche befinden sich rund 90 % in Innenstädten oder Stadtteillagen. Selbst der Möbelriese IKEA ist drauf und dran, in Hamburg-Altona seinen europaweit ersten City-Store zu errichten.

Die Parzellierung der Großflächen: Aus der Warenhauskrise ergeben sich neue Chancen zur innovativen Umgestaltung der Malls: die Aufteilung der großen Warenhausflächen in kleinere Einheiten für ein breiteres Angebot an Shops. Werner Altenschmidt, Warenhausexperte bei Kemper’s Jones Lang LaSalle, fordert: Die Mall-Verlängerung „ist der Ausgangspunkt für die Erschließung kleinerer Shops. Über eine geschickte Branchenbündelung kann auf dieser Grundlage ein funktionierender Ersatz für den Ankermieter gefunden werden“. Diese Branchenbündelung hat das Frankfurter Prestige-Objekt „MyZeil“ (www.myzeil.de) schon bei der Neueröffnung 2009 mitberücksichtigt: Die wichtigsten Outdoor-Marken-Anbieter sind alle auf einer Etage versammelt.

Wo Einkaufen zum Abenteuer wird: Der Spielwarenhändler Kurtz in Stuttgart nutzte den öden Vorplatz seines Geschäftes in der Fußgängerzone und veranstaltete ein Kindersommerfest. Sandkästen wurden aufgebaut, Kinderrutschen aufgestellt, Bobbycars, Spielzeugkräne und Fußbälle bevölkerten die Fußgängerzone. Der graue Asphalt wurde durch Straßenkreide in Kinderhänden ganz schnell bunt, ebenso bekamen die Schaufensterscheiben mithilfe von Fenster-Malfarbe einen farbenfrohen Anstrich. Die Produkte, mit denen die Kinder draußen spielen, stehen natürlich im Laden zum Verkauf. Mit der Umsetzung eines Abenteuerspielplatzes mitten in der Stadt schafft es Spielwaren Kurtz, sowohl die kleinen Kunden als auch ihre kaufkräftigen Eltern für sich zu begeistern (www.spielwaren-kurtz.de).

LOHAS-Fashion in Bestlage: Die Modelandschaft blieb bisher größtenteils unberührt vom Neo-Ökologie-Trend, der sich höchstens in einer Organic-Cotton-Linie äußerte. Damit könnte nun Schluss sein. 10 Jahre lang betrieb Michaela Gielgen einen Bogner-Franchise-Store mitten in der historischen Altstadt von Regensburg. Im Oktober 2009 eröffnete sie dann das Ludwig3 und positioniert ihren Laden als „unusual selected green concept store“. Im Sortiment hat sie erlesene Ware für neogrüne Genießer und alle, die mit dem Kauf von ethisch einwandfreien Produkten etwas bewegen wollen – von Bio-Kosmetik über Cashmere-Mode aus der Mongolei bis hin zu Nachtwäsche aus regionaler Produktion (www.ludwig3.de).

Trendlearning: Innenstädte sind nach wie vor attraktive Magnete für kaufkräftige Konsumenten. Die Warenhauskrise und immer mehr Städte ohne eigenständigen Einzelhandelscharakter mit verödenden Straßenzügen aber zeigen, dass Flächenproduktivität, Personaleffizienz und Vertikalisierung nicht die alleinigen Wachstumshebel im Handel der Zukunft und bei der Stärkung des Standorts sein können.

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