Tourismus-Trend Berlin: Wieso sich die Hauptstadt gerade zur Top-Destination mausert, 3 Beispiele

Eike Wenzel 18. Dezember 2009

Berlin ist gerade auf touristischem Höhenflug. Bis September wurden schon 14,1 Mio. Übernachtungen registriert (2008 insgesamt 17,7 Mio.). Die durchschnittlichen Tagesausgaben pro Person liegen bei stolzen 195 Euro. Die Hauptstadt mausert sich gerade zum nächsten Kreativpool. Kultur und Dienstleistungen statt Industrie scheint die Devise zu sein – und damit ist Berlin äußerst erfolgreich. Drei Beispiele für urbanes Zukunftsmarketing:

>> Auf Sinnsuche im Museum: Publikumsmagnet sind ausgerechnet die Berliner Museen. 70 Prozent der Museumsbesucher sind Touristen (2005 waren es gerade mal 43%), das ist das Ergebnis einer Umfrage der Berliner Kulturverwaltung und der Berlin Tourismus Marketing GmbH. Die „Nofrotete“ im Neuen Museum Berlin zieht mehrere tausend Besucher pro Tag an. Mit einer kurzfristigen Auflage des Pauschalangebots „Nofrotete im Neuen Museum“ reagiert die Berlin Marketinggesellschaft auf den neuen Hype. Das Gesamtpakt kostet 95 Euro pro Person, beinhaltet zwei Übernachten mit Frühstück und die WelcomeCard Cultur, mit der die Gäste insgesamt 60 Ausstellungen besuchen können.

>> Mit der Seilbahn durch Berlin: Private Investoren wollen in Berlin eine Seilbahn vom Bahnhof Zoo bis zum Potsdamer Platz bauen. Die Gondelbahn soll vom Hardenbergplatz zum Potsdamer Platz in elf Minuten fahren. Darin sollen 2000 Fahrgäste pro Stunde und Richtung befördert werden können. Drei Kilometer lang ist die Trasse, die Seilkonstruktion soll sich in bis zu 35 Metern Höhe befinden und den Blick über Berlins Mitte ermöglichen. Angesichts des dichten Autoverkehrs und häufiger Sperrungen auf der Straße des 17. Juni wären sie wohl schneller als Autos und kaum langsamer als die U-Bahn, die vom Zoo zum Potsdamer Platz zehn Minuten benötigt. Wenn täglich Tausende Fahrgäste vom Auto auf die Seilbahn umstiegen, würden Lärm und Abgase verringert, so die beiden Projektinitiatoren Horst-Achim Kern der Projektentwicklungsgesellschaft Prohacon und Klaus-Jürgen Meier, Vorstand der AG City West.

>> Anschluss ans Billigflugnetz: Gerade wird der Flughafen Berlin-Brandenburg International gebaut, der Ende Oktober 2011 eröffnet werden soll. Er soll sich laut Sprecher der Geschäftsführung FBS Flughafen Berlin-Schönefeld als Gateway Richtung Osten etablieren. Durch den Bau entstehen ca. 40.000 Arbeitsplätze, 40 bis 50% der Einnahmen sollen durch die geplante Shopping- und Erlebniswelt eingespielt werden. Vor allem Air Berlin will hier Fuß fassen und sein Netz massiv ausbauen.

Trendlearning: Berlin hat am stärksten vom Wirtschaftsaufschwung zwischen 2005 und 2008 profitiert – und das trotz schwacher Industrie. Inzwischen zählt Berlin laut einer Studie der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), des Instituts der deutschen Wirtschaft und der Wirtschaftswoche zu einer der wachstumsstärksten Regionen in Deutschland. Das Zukunftsrezept: Sinnstiftende Angebote kombiniert mit intelligenter urbaner Mobilität.

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2 Reaktionen zu “Tourismus-Trend Berlin: Wieso sich die Hauptstadt gerade zur Top-Destination mausert, 3 Beispiele”

  1. [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Hotelfachschule GAP, Der Zukunftsletter erwähnt. Der Zukunftsletter sagte: #Tourismustrend: Wird #Berlin zur nächsten Top-Destination? Drei Beispiele für urbanes #Zukunftsmarketing: http://is.gd/5sL4m [...]

  2. Barbara Rotham 22. Dezember 2009 um 13:47 Uhr

    Das ist korrekt – und gleichzeitig ist Berlin die Stadt mit dem höchsten “Armutspotenzial” innerhalb Deutschlands.

    Wer sich die Zahlen der Hartz4-Bezieher in Berlin anschaut sowie die soziale Entwicklung (Zuzug junger, designlastiger und kunstaffiner Menschen, Wegzug von Menschen in mittleren Einkommensklassen, die keine Jobs in Berlin finden), der wird erkennen, dass die Stadt sich zwar hervorragend touristisch und imagemäßig vermarktet und auch Immobilien-Investoren massiv anzieht – dass dies aber gleichzeitig dennoch bedeutet, dass ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung verarmt und Teile der Stadt verslummen – also eine Art “Amerikanisierung” stattfindet, eine scharfe Trennung der Gesellschaft anhand von Einkommens- und Stadtteilgrenzen.

    Insofern würde ich mir eine etwas tiefergehende und umfassendere Analyse wünschen, die auch diese Punkte berücksichtigt – evt. auch Wege aufzeigt, aus diesem Dilemma herauszukommen und konstruktiv etwas aufzubauen bzw zu entwickeln, was Berlin nachhaltig auf eine stabile Basis stellt.

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