Green Retailing: Wissen die Discounter, wie wir in Zukunft einkaufen wollen?

Eike Wenzel 2. Dezember 2009

Ausgerechnet die Discounter scheinen gerade den Dreh herauszubekommen, wie der Handel der Zukunft funktioniert, nämlich grün, nachhaltig und verantwortungsvoll. Die viel umworbenen LOHAS sind schon seit einiger Zeit ins Visier der Lebensmittelketten gerückt – doch erst jetzt verändern sich die Geschäftsmodelle grundlegend. Vier Beispiele für neue Retail-Konzepte:

1. REWE hat Anfang November den weltweit ersten Supermarkt eröffnet, der von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen mit dem DGNB-Prädikat in Gold ausgezeichnet wurde. Der Supermarkt steht in Berlin und spart in etwa 50 Prozent Energie im Vergleich zu den bisherigen Märkten. Insgesamt wird der REWE Markt CO2-neutral betrieben. Zusätzlich verfügen bereits elf REWE-Märkte über Tankstellen für Elektroautos, betrieben von Vattenfall. Der Energieversorger setzt an den “Zapfsäulen” zertifizierten Grünstrom aus erneuerbaren Energien ein.

2. Lidl setzt auf Öko-Getränkekartons vom Verpackungshersteller SIG Combibloc, der europaweit die ersten nach dem Standard des Forest Stewardship Council (FSC) zertifizierten Tetrapaks auf den Markt gebracht hat. Das FSC-Zeichen ist eines der international renommiertesten Öko-Siegel. Lidl verkauft als erstes und derzeit noch als einziges deutsches Handelunternehmen verschiedene Säfte und Eistees in den Öko-Paks. Aber nicht nur im Kleinen wollen die Schwaben die Nachhaltigkeit unter Beweis stellen. 100 Prozent weniger Heizenergie, 30 Prozent weniger CO2-Ausstoß und 10 Prozent weniger Stromverbrauch im Vergleich zu herkömmlichen Lebensmittelmärkte ist das ambitionierte Ziel für alle neuen Filialen. Alleine in Deutschland plant Lidl für das Jahr 2010 weitere100 Filialen, die ohne fossile Brennstoffe betrieben werden sollen.

3. Die Metro Holding hat einen Nachhaltigkeitsrat gegründet, um das Thema im gesamten Konzern (personell) zu verankern. Das so genannte Sustainability Board soll konzernweit verbindliche Standards für ein nachhaltiges Wirtschaften erarbeiten und umsetzen. Zudem hat das Unternehmen festgelegt, seine Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2015 um 15% je Quadratmeter Verkaufsfläche zu senken. Weiter ausbauen will die Metro Holding außerdem ihre Aktivitäten bei nachhaltigem Fischfang und Aquakulturen sowie bei der Qualifizierung von Lieferanten in Schwellen- und Entwicklungsländern.

4. Walmart, der weltweit größte Einzelhändler, startet jetzt mit einem eigenen Öko Index für Lebensmittel, Bekleidung und Elektronik. Alle Lieferanten haben dazu bereits einen Katalog mit 15 Fragen zu den Faktoren Energie und Klima, Materialeffizienz, dem Einsatz natürlicher Ressourcen sowie Mensch und Gemeinschaft beantwortet. Aktuell wird ein Konsortium in erster Linie aus Universitäten aufgebaut, das zusammen mit Lieferanten, der US-Regierung und Verbraucherorganisationen eine globale Datenbank mit Informationen zum Produkt-Lebenszyklus vom Grundstoff bis hin zur Entsorgung erstellen soll. Zuletzt werden die Informationen für den Verbraucher in ein leicht verständliches Bewertungsmodell übersetzt in Form einer Ampelkennzeichnung für Produkte.

Trendlearning: Die deutschen Verbraucher machen den Einkauf ihrer Lebensmittel immer stärker von den Produktionsbedingungen und den Werten der Hersteller abhängig. Das ist das Ergebnis einer Studie zur Corporate Responsibility von Roland Berger Strategy Consultants in Zusammenarbeit mit GfK Panel Services Deutschland (August 2009). Konsumenten wollen ein sozial und ökologisch verantwortliches Management und nehmen dafür nachweislich höhere Preise in Kauf. Die Zukunft des Handels ist grün – und dennoch: Mehr denn je wird es künftig darum gehen, ob hinter den Management-Entscheidungen lediglich Marketing-Kalkül oder echte Überzeugung steckt. Die Konsumenten sind intelligent und vernetzt und werden Greenwashing schnell als solches entlarven. Wer nachhaltig Erfolg hat, muss sich auch nachhaltig für Neo-Ökologie und soziale Verantwortung einsetzen.

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