Update Foodtrends: Die LOHAS sind die nächsten Covenience-Kunden

Eike Wenzel 14. November 2009

Convenience-Produkte sind DIE Krisengewinner im Lebensmittelhandel. Die Konsumenten sind immer weniger bereit zu Einkaufszentren auf die “grüne Wiese” zu fahren, sie wollen dort ihre Nahrungsmittel einkaufen, wo sie ohnehin unterwegs sind: In der Fußgängerzone, am Bahnhof, im Zug oder an der Tankstelle. Zugleich sind sie auf der Suche nach schnellem UND frischem, leckerem UND gesunden Essen. Die LOHAS (Lifestyle of Health and Sustainability) stellen ganz neue Anforderungen an die Food-Unterwegsmärkte und verändern sie nachhaltig. Vier erfolgsversprechende Ansätze:

1. Die gläserne Produktion: Ganze Bäckereiketten machen sich gerade Gedanken, wie sie das neue Fußvolk am besten erreichen können. Neben dem Coveniencefood bieten immer mehr – sowohl Dicsounter als auch der gehobene Bereich – Cafés mit Sitzbereich an. Die SB-Bäckereikette Back-Factory konnte in zwei Testfilialen mit ihrem neuen Coffee-Bar-Konzept den Umsatz um 30% steigern. Das (Sitz-)Konzept soll jetzt flächendeckend ausgerollt werden auf die 120 Filialen. Bäckereikette Kamps setzt auf Frontbaking. Die Kunden können in der Backstube am Bäckertisch sitzen und direkt beim Brot- und Kuchenbacken live mit dabei sein. Entsprechend wurde das Sortiment um ofenfrische Backwaren wie Flammkuchen erweitert. Kamps ist schon jetzt vom Erfolg überzeugt, sollen doch rund ein Drittel der Standorte nächstes Jahr zu Backstuben werden.

2. Mit dem Kunden zusammen verreisen: Michael Röhm, Sternekoch im Lüneburger Restaurant und Hotel „Zum Heidkrug“, hat in diesem Monat für die Gäste der 250 Speisewagen der ICE-Züge der Deutschen Bahn vier neue Gerichte entwickelt. Das Angebot von geschmacklich vollendeten Biogerichten ist mittlerweile zum Verkaufsschlager im Speisewagen geworden, der Umsatz ist nach Angaben der Deutschen Bahn zweistellig gewachsen. Künftig soll es nun auch noch den passenden Bio-Wein im Zug geben.

3. 24h-Service für den Contingent Worker: Etwa ein Viertel der Tankstellenkunden sehen im Tankstellen-Shop eine echte Alternative um Lebensmittel einzukaufen, dabei verschwimmen die Grenzen zum Supermarkt zusehends. Shell ist gerade eben eine Kooperation mit Migros eingegangen und testet im Raum Stuttgart den Convencience-Shop Migrolino, von welchem es bis zum bis zum Jahresende ca. 124 Stück geben soll. Doch auch andere Branchen entdecken Covenience-Produkte als Bestseller. Etwa Valora Retail, der mit 200 Buchhandelsfilialen an Bahnhöfen und Flughäfen Branchenprimus ist. Im Juni hat Valora Retail im Hauptbahnhof in Gelsenkirchen einen Lebensmittelladen eröffnet, an dem es an 365 Tagen im Jahr fast rund um die Uhr frisches Obst und Gemüse, Tiefkühlkost und Molkereiprodukte gibt, ein zweiter Pilotmarkt soll – aufgrund des durchschlagenden Erfolg des ersten- noch dieses Jahr eröffnet werden.

4. Urbane Vor-Ort-Versorgung: Die Konsumgenossenschaft Leipzig setzt auf bequeme und laufnahe Lebensmittelversorgung. Etwa ein Drittel der Läden sind zwischen 200 und 500 Quadratmetern groß, die Hälfte liegt zwischen 500 und 1000 Quadratmetern. Eine Verkaufsfläche, über welche Wettbewerber anfangs schmunzelten. Inzwischen haben die Sachsen ihre eigene Erfolgsstrategie daraus entwickelt, indem sie auf Bequemlichkeit setzen. In einem kleinen Laden können sich die Konsumenten nicht so schnell verlieren. Zudem setzt die Konsumgenossenschaft Leipzig auf eine freundliche und kompetente Beratung der Mitarbeiter. Insgesamt bietet Konsum 130 verschiedene Obst- und Gemüse-Kreationen verzehrfertig im Eisbett. Auch Rewe, Netto und Penny rollen derzeit ein neues Cityformat aus, das auf Kleinstflächenläden zugeschnitten ist und sich auf Frische- und Convenience-Produkte spezialisiert.

Trendlearning: Vom großen Convenience-Kuchen am Point of Mobility wollen sich jetzt anscheinend viele Anbieter ein neues Stück abschneiden. Convenience hat es geschafft, sein Schmuddel-Imbissbuden-Image abzuschütteln und ist auf dem besten Wege dazu, die LOHAS als neue Konsumenten zu gewinnen. Gesunde Ernährung und Fertigprodukte sind längst kein Widerspruch mehr. Hinzu kommt das wachsende Sortimentsangebot. Profitieren werden in Zukunft insbesondere eigenständische Handelsformate, die sich an entscheidenden Mobilitätsschnittstellen positionieren und echten Mehrwert (Gesundheit, Zeitersparnis, Qualität, Preis, Service) verkaufen.

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