Das Ende des Massentourismus: Wie wir künftig Urlaub machen

Eike Wenzel 1. November 2009

„Der Anteil derer, die einen individuellen Urlaub, das besondere und einzigartige Angebot suchen, nimmt stetig zu“, so Dr. Edgard Kreilkamp, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Tourismuswissenschaft und Professor für Strategisches Management und Tourismusmanagement an der Leuphana Universität Lüneburg in einem Interview mit dem Zukunftsletter. Er ist sich sicher, dass künftig nicht mehr so sehr die Landschaft zählt, sondern eher das spezielle Angebot. Eine Reihe an Anbietern hat sich bereits aufgemacht und beweist eindrucksvoll, dass sich die nächsten bereisenswerten Destination nicht unbedingt an außergewöhnlichen Orten befinden müssen. Drei Beispiele:

- Offline-Community: Die Familie Hanser setzt im neueröffneten Hotel Tyrol mehr auf persönlichen Austausch als auf Zusatzangebote. Der Chef persönlich erkundigt sich bei den Gästen, wie das Essen geschmeckt hat – schließlich bereitet er auch selbst die Mahlzeiten in der Küche zu. „Wir wollen hier die Tiroler Gastlichkeit mit dem Allgäuer Flair verbinden“, sagt Hanser im Interview mit der AHGZ (17.10.2009). „Der Gast muss ankommen und sich schon in der ersten Minute wie zu Hause fühlen“. Dazu gehört es auch, jeden Gast persönlich zu begrüßen. Die Familie Hanser integriert ihre Gäste ins soziale Netzwerk und stellt Kontakte her. Im Gegensatz zu XING oder Facebook persönlich und direkt (www.hotel-tyrol-oberstaufen.de).

- Urlaub im Mikrokosmos: Die Hotelkette Grupotel hat – bereits vor zwölf Jahren – ein spezielles Ausflugsprogramm nach ökologischen Kriterien entwickelt. Heute hat sich daraus ein umfangreiches Aktiv-Angebot entwickelt, das in den 21 Häusern auf Mallorca den Gästen exklusiv zur Verfügung steht und ihnen die Natur der Insel authentisch erlebbar machen soll. Geleitet und zusammengestellt, wird das Programm von Masio Vicenc, der als ehemaliger Ranger und Fischer die Insel, ihre spezifische Flora und Fauna kennt wie kein anderer. Das Konzept setzt da an, wo die Massentourismus-Konzepte längst aufhören: Im Detail. Während andere Ausflugsprogramme auf möglichst viel in möglichst wenig Zeit geeicht sind, geht es hier um den entschleunigten Naturgenuss, ums genaue Hinsehen und Staunen über den mallorcininschen Mikrokosmo (www.grupotel.com/natur.php).

- Anschluss ans Datennetz: Wichtiger als die räumliche Infrastruktur wird künftig die virtuelle. Wer den besten und intelligentesten Anschluss an die Datenautobahn hat, hat unter Umständen in Zukunft auch die meisten Gäste. Das Le Méridien Grand Hotel Nürnberg hat eine digitale Verjüngungskur hinter sich, jetzt verfügen alle 192 Zimmer und Suiten über Flachbildfernseher, i-Pod-Dockingstation und drahtlosen und verkabelten Internetzugang (www.starwoodhotels.com/lemeridien/property/overview/index.html?propertyID=1854). Auch das all seasons Hotel Frankfurt City und Düsseldorf-Neuss macht sich bereit für die Digital Natives, die beim City-Urlaub nicht auf ihr individuelles virtuelles Sportprogramm verzichten möchten. In den Hotelzimmern kann an den Media Hub auch eine Wii-Spielekonsole angeschlossen werden (www.all-seasons-hotels.com). Indes hat die Lindner Hotelgruppe bereits vor 2 Jahren auf IPTV umgestellt. Die Gäste können sich hier durch 1.500 nationale und internationale Fernsehkanäle zappen und ihr individuelles Programm zusammenstellen (www.lindner.de).

Social-Bookmark:
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Google Bookmarks
  • MisterWong.DE
  • Webnews.de

Trackback URI | Kommentare als RSS

Einen Kommentar schreiben