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Die neue Londoner Neo-Öko-Elite erklärt den Umweltschutz zum Prestige- und Status-Symbol. Während die Umweltaktivisten der 80er einst Verzicht übten, zeichnen sich die Neo-Ökos heutzutage durch Power-Konsum aus: Um ihr Umwelt-Gewissen zu beruhigen, werfen sie freizügig mit Geld um sich - man protzt mit luxuriösen Öko- Wagen, veganen Designer-Fashion-Outfits oder politisch korrekten Colliers. In Großbritannien werden die Angehörigen dieser neuen Bio-Elite "Ecotists" (aus "ecological" und "egotist") genannt.
Die "Ecotists" tragen Umweltbewusstsein eher als persönliches Markenzeichen zur Schau, anstatt sich Gedanken über die globale Erwärmung zu machen. Ein britischer Fernsehmoderator formuliert es so:"Wir tragen Hanfklamotten, kaufen Bio-Lebensmittel und reduzieren unseren Stromverbrauch" als Nächstes werden wir den Porsche aussortieren. Allerdings erst dann, wenn das gleichwertige Öko-Modell auf dem Markt zu haben ist." In einem Artikel über die grünen Göttinnen im Londoner Stadtteil Notting Hill schreibt Christa D`Souza von "Vogue": "Die Bio-Supermärkte wimmeln von jungen Hippie-Gören, die Marni-Klamotten tragen, schicke Geländewagen fahren und sich kein bisschen um die Umweltverschmutzung scheren."
Die wenigsten der wohlhabenden Londoner wollen aus Rücksicht auf den Klimawandel ihre Ferienhäuser aufgeben, selbst wenn der CO2-Ausstoß des Flugs jeden Umweltbeitrag im Urlaub schon im Ansatz negiert. Doch auch hier gibt es bereits kreative Ansätze: Echte "Ecotists" können sich ein Designer-Haus oder -Apartment auf dem Lower Mill Estate kaufen, einem der größten Wildparks Großbritanniens. Nicht nur, dass eine seltene bulgarische Biberart auf dem Gelände angesiedelt wurde, die Ecotists sollen bei Einzug sogar ein Hausschwein spendiert bekommen. Die Bio-Lebensmittel können dank Hubschrauberlandeplatz jedoch auf Wunsch bequem eingeflogen werden. Aber auch wer kein Großverdiener ist, kann die Neo-Ökologie in seine Freizeitgestaltung integrieren. Etwa mit dem neuen Monopoly, das den Toyota Prius als Spielfigur hat, oder mit einem Ausflug zum "Sustainable Dance Club" im Off Corso in Rotterdam. Dort werden die Toiletten mit Regenwasser betrieben, die Elektrizität speist sich aus einem in die Tanzfläche integrierten Generator.
Während vor ein paar Jahren noch leidenschaftlich recycelt wurde, schaut heute jeder auf sein CO2-Sündenkonto. Denn bei jedem Kauf wird in Zukunft auf das "ökologische Gepäck" geachtet: Wie viel CO2 wurde bei Herstellung und Transport der Ware freigesetzt? Die Öko-Kolumnistin Lucy Siegle veröffentlichte im "Observer" kürzlich eine "Kohlenstoff-Diät": Statt Kalorien zählte sie Carbs (ein Carb entspricht 100 g CO2). Und gab gleich Tipps für den Alltag: Wer seinen Computer konsequent ausschaltet, solange er ihn nicht benutzt, spart 29 Carbs. 6 Energiesparlampen für herkömmliche Glühbirnen einsetzen ergibt einen satten Bonus von 3.120 Carbs.
Der Vorteil bei konsequenter Einhaltung der Diät: Wer fleißig Carbs gespart hat, kann sich am Ende des Monats was leisten - beispielsweise eine Flugreise nach Paris oder 2 Flaschen eingeflogenen Öko-Wein aus Neuseeland.
Eines der schönsten Dinge an London ist, dass es dort ständig Neues zu sehen, auszuprobieren und zu kaufen gibt. Manchmal überfällt einen in einer so modernen, schnelllebigen Stadt aber auch die Sehnsucht nach den "guten alten Zeiten", als man beispielsweise noch Kind war. Aktuell lässt sich beobachten, wie in der britischen Metropole gleich mehrere Unternehmen verschiedener Branchen erfolgreich auf Retro-Trends setzen - insbesondere Süßigkeiten- und Backwarengeschäfte, die ein hohes Nostalgiepotenzial haben.
Gail`s Bread etwa beweist, dass Nostalgie nicht zwangsläufig im Widerspruch zu modernem Retail-Konzept und ausgewähltem Design stehen muss. Die Filiale der eigenständigen Bäckerei in Notting Hill verbindet rustikales Interieur aus Holz mit einer mitten im Laden eingerichteten Hightech-Küche. "Erinnern Sie sich noch daran, als Brot noch wie Brot schmeckte?", ist das Motto, mit dem hier gebacken wird: handgemacht und 100 % frei von chemischen Zusätzen und Konservierungsstoffen. Das Angebot umfasst über 25 Brotvarianten sowie Backwaren, Sandwichs und andere Snacks. Der Nostalgie-Ansatz, nach dem Motto "Wir machen"s wie in den guten alten Zeiten", wird hier modernisiert - versehen mit dem richtigen Maß an Humor, Freundlichkeit und Familiengefühl. Das alles spiegelt sich im Caf�-Konzept von Gail`s ebenso wider wie auf der Website und der so genannten V.I.B.-Community - den "Very Important Bread People": Brotkenner und -liebhaber, die zu besonderen Events und Verkostungen eingeladen werden. Gail`s erzählt auch nette Hintergrundgeschichten von Dingen, die dem Kunden normalerweise verborgen bleiben. Damit werden die Menschen, die hinter den Produkten stehen, zum Leben erweckt: angefangen bei Dave "Armstrong", der das Brot knetet, bis zu Roger, dem Konditor, "dessen Hände schöner sind als sein Gesicht". Bislang gibt es erst 2 Gail`s-Filialen in London, aber es ist zu erwarten, dass schon bald weitere folgen werden.
Vielleicht nicht ganz so gesund wie Gail`s, aber mit ähnlich erfolgreichem Nostalgiefaktor ist die zunehmende Verbreitung kleiner, altmodischer Süßwarenläden. Einer, der jüngst neu eröffnet wurde, ist Mrs. Kibble`s Olde Sweet Shoppe in Soho. Hier werden alle Süßigkeiten in Glasgefäßen mit pink gestreiften Etiketten angeboten - gefüllt mit den klassischen Lieblingssüßigkeiten wie Lakritze, "weiße Mäuse" und Brausebonbons. Eben genau wie in der Kindheit! Falls man es nicht bis dorthin schafft, um die kindlichen Begierden zu befriedigen, gibt es eine Reihe von Süßwarenherstellern wie British Candy, Hope and Greenwood oder A Quarter Of, die solche handgemachten, bislang nur selten zu findenden Sweets in Online- Shops vertreiben.
Ähnlich wie Süßwarengeschäfte und Bäckereien sind Buchläden ein Bereich, in dem viele Kunden das Aussterben kleiner, unabhängiger Läden bedauern. Das Comeback dieser kleinen, gemütlichen "Boutique Bookshops" die gewissermaßen Persönlichkeit ausstrahlen und selbst eine Geschichte erzählen, macht sich in London anhand einiger erfolgreicher Buchläden bemerkbar: Geschäfte wie Haywood Hill, der London Review Bookshop oder Crockatt & Powell eröffnen wieder zuhauf in der Hauptstadt. Diese nostalgieträchtigen Nischenmärkte zeigen, wie sich die Retail-Landschaft in modernen Innenstädten wieder neu gestaltet und neue Umsatz-Chancen eröffnet.
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