400 Prozent mehr verkauft als im letzten Jahr – welches Unternehmen kann das schon derzeit melden? Die Zahl stammt von einem Thermoskannen-Hersteller. Andere Firmen der Branche sind von der Nachfrage überrumpelt worden und kommen mit der Produktion kaum nach. Gut laufen zum Beispiel die Geschäfte von Robert Dyas, einem britischen Einzelhändler. Er machte mit Brotdosen im abgelaufenen Jahr 650.000 Euro Umsatz – im Vorjahr waren es nur 386.000.
Unsere Diagnose: Henkelmann und Tupperdose erleben derzeit einen wahres Revival. Immer mehr Angestellte machen einen Bogen um die Kantine und verzehren lieber Selbstgemachtes; gleichzeitig schrumpfen die Budgets für üppige Geschäftsessen in Restaurants.
Vor allem finanzielle Argumente sprechen für die Do-it-yourself-Brotzeit: Angestellte, die sich täglich zwei Latte Macchiato zum Mitnehmen gönnen, lassen jeden Monat über 100 Euro bei Starbucks & Co – ein Kostenblock, der sich mit einer Thermoskanne leicht eliminieren lässt. Und wer in der Mittagspause statt zum Sandwich aus der Kühltheke zu Selbstgemachtem greift, kann noch einmal 50 Euro sparen.
Weitere Treiber der Selbstversorgungstrends:
- Die Zahl der Menschen, die bestimmte Inhaltsstoffe (Beispiel: Gluten) nicht vertragen, steigt. Lebensmittelallergiker müssen schlichtweg genau wissen, was in ihrer Mahlzeit steckt.
- Menschen essen bewusster. Einige wünschen sich Essen, dessen Zutaten aus der Region kommen, andere Bio-Produkte – beides ist in herkömmlichen Kantinen oft noch Mangelware.
Neu: Mit schnöden Butterbroten lassen es die neuen Selbstversorger nicht bewenden.
Der Trend geht zu aufwändigeren Snacks: Auf den (Schreib-)Tisch kommen zum Beispiel Nudelsalate oder Suppen. Nicht selten bringen Angestellte Reste des Abendessens vom Vortag mit und wärmen sich die Mahlzeit in der Kaffeeküche auf.