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Zukunftsletter - Strategisches Wissen für Entscheider in Management und Marketing - 12 Jahre strategisches Marketing - Dr. Eike Wenzel, Zukunftsforsche und Chefredakteur
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Dr. Eike Wenzel trifft Günter Dueck: Märkte im Wandel

veröffentlicht am 08.05.2009
Prof. Dr. Gunter Dueck ist der Chief Technologist von IBM, Mathematikprofessor, kühner Denker und Vielschreiber. Besonders empfehlenswert: „Abschied vom Homo Oeconomicus. Warum wir eine neue ökonomische Vernunft brauchen“, Eichborn 2008.
Eike Wenzel
Dr. Eike Wenzel

trifft

Günter Dueck

"Auf ein Wort"
Günter Dueck

1. Was ist die nächste große technologische Zäsur, die unsere Märkte verändert?



Wir sind doch mitten drin?! Die jetzige Technologie-Revolution wird durch die Computer und das Internet ausgelöst und verändert die Infrastrukturen der Wirtschaft und des Privatlebens. Das weiß ja jeder. Aber fast niemand hat ein gutes Zeitgefühl für die Dauer dieser Umwälzungen. In der dot.com Phase sind ungeheuer viele neue Ideen in Form von Start-Up Firmen aufgeblitzt und fast alle mehr oder weniger grandios gescheitert. Fast alles ginge anders oder besser, wenn wir ausnahmslos überall Netbooks oder iPhones mit kostenloser 50 Gb/s Verbindung hätten. Mit so guter Anbindung könnten alle virtuellen Welten fabelhaft ruckelfrei arbeiten, die Globalisierung würde enorm voranschreiten und uns alle zu Nachbarn machen. Videos könnten in Sekunden geladen werden, Riesenbildschirme gäben gestochen scharf in der Wohnwand meine Verwandten an deren Esstisch wieder, als wären sie wahrhaft zu Besuch. Pflegebedürftige und Nach-OP-Patienten könnten per Telemedizin überwacht werden...

Wir haben all das schon lange vorgedacht, aber es geht noch nicht gut, weil die neuen teuren Strukturen erst über Jahre und Jahre wachsen. Es gibt keinen Big-Bang und das Neue ist da! Insbesondere gibt es keine technologische Zäsur, wie Sie eine erfragen. Wir stehen einfach in einigen Jahrzehnten des Wandels - alles dauert wieder so lange, wie man für die Bahnverbindungen, die Elektrifizierung oder den Bau der Autobahnen nebst den Tankstellennetzen brauchte. Auch die oft zitierten Köpfe der Menschen machen nicht so gut mit, von denen man Umdenken erwartet. In Wirklichkeit wird eine Nachfolgegeneration ("digital native") ihre eigene Weltvorstellung umsetzen. Nicht wir! Wir zögern, fürchten, haben auch nicht recht Lust und damit viel zu wenig Phantasie für eine neue Welt.

2. Wie sehen Märkte für die Zeit nach dem homo oeconomicus aus?



Das ist keine technologische Angelegenheit, sondern eine kulturell-ökonomische. Wir wissen gar nicht so genau, wie unter ungewissen Zuständen Wirtschaft betrieben wird. Wir haben geglaubt, Management habe fast nur mit dem Ausführen beherzt gefasster Pläne zu tun und stehen nun ratlos den Schwankungen der Märkte gegenüber. Was wir heute mit Wörtern wie Spiel, Systemik, Risiko, kurzfristigem Getriebensein oder der Irrationalität der Märkte umreißen und langsam zu verstehen beginnen, war bis vor wenigen Jahren gar nicht Gegenstand der Betrachtung im Unternehmen.

Alle reden heute von Darwin, aber sie verstehen meist einen Kampf der Arten untereinander darunter. Ach liebe Leute - vom Fressen und Gefressenwerden sterben keine Arten aus - sondern wegen der Eiszeiten oder Meteoreinschläge oder auf Grund des "intelligenten" Eingreifen des Menschen in die Umwelt. Die Sparkasse muss nicht gegen die Volksbank im Dorf gegenüber kämpfen - sondern die Frage beantworten, was eine Bank bei allgemein verfügbaren 50 Gb/s noch sein könnte. Und dann müssen die Unternehmen diese langsame dampfwalzigeVeränderung ganz lange mitgestalten - über Jahrzehnte. Wenn eine Eiszeit kommt, ziehen nicht alle Urgermanen gleich heute noch Felle über, aber sie müssen über die Zeit aktiv neue Kulturtechniken erwerben. Dieses gedankliche Ümrüsten vermisse ich ein bissschen - viele denken, die Globalisierung gehe vorbei und das Schmelzen der Polkappen sicher auch. In einer solchen Situation gehen die Unternehmen von heute eben nicht "gestärkt aus der Krise hervor", wie sie fast alle trotzig vorbeten, sondern das Neue führt zur Entstehung neuer Arten.

Aus unserer Zukunftsletter-Rubrik „Auf ein Wort“ Ausgabe Juni 2009
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